FERTILITÄTSDIAGNOSTIK

10–15% der Paare sind ungewollt kinderlos und benötigen ärztliche Behandlung. Die wesentliche Sterilitätsursache findet sich nicht nur bei einem der Ehepartner allein, sondern oft lässt sich eine relevante Verminderung der Fertilität bei beiden Partnern nachweisen.
Nebst konstitutionellen Funktionsstörungen, psychosozialen Besonderheiten, Lebensgewohnheiten, Umwelteinflüssen und hormonellen Dysfunktionen sind besonders die sexuell übertragbaren Krankheiten der häufigste Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit. Auf diese STD (sexually transmitted diseases) soll hier eingegangen werden, und unter diesen Erregern speziell auf Chlamydia trachomatis.

Genitalinfektionen der Frau und des Mannes können schwerwiegende Konsequenzen in Bezug auf Subfertilität oder Sterilität nach sich ziehen. Diesem Problem wird meines Erachtens viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und die daraus folgenden Ursachen werden nicht oder zu spät erkannt.


Die Schwierigkeiten beim Nachweis von Erregern, die auf den üblichen Nährböden nicht wachsen, sind leider der Grund für die vielen Missverständnisse bei der Erkennung und Beurteilung der chronischen Prostatitis, Epididymitis oder der Samenblasenentzündung beim Mann und beim chronischen Urethral-Syndrom der Frau.


Die primäre Diagnostik ist oft irreführend, weil der Urinstatus unauffällig ist und eine Urin-Kultur kein signifikantes Wachstum der üblichen Keime zeigt.

Ureaplasma-Mycoplasma Nachweis mittels multiplex PCR


Da diese wichtigen Erreger einerseits mit konventionellen Labormethoden (Kultur) nicht detektierbar sind (Mycoplasma genitalium) oder die Differenzierung mittels Kultur nicht möglich ist (Ureplasmen), ist die PCR die Methode der Wahl für eine gezielte und präzise Diagnostik. Es wird unterschieden zwischen Mycoplasma hominis und Mycoplasma genitalium. M. Genitalium ist pathogener, wird jedoch in der Kultur nicht nachgewiesen, d.h. verpasst. Bei den Ureaplasmen wird unterschieden zwischen Ureplasma urealyticum und Ureaplasma parvum. Ureaplasma urealyticum ist pathogener als U. Parvum, jedoch ist U. Parvum häufiger.


Infektionen mit Chlamydien, Mykoplasmen/Ureaplasmen sind jedoch häufig. Ein grosser Prozentsatz verläuft ohne Symptome und daher unbemerkt. Diese chronischen asymptomatischen Infektionen und deren über mehrere Jahre dauernde Wirksamkeit sind entscheidende Faktoren für die Fruchtbarkeit des Mannes. Und die mit der Infektion nachweislich im Zusammenhang stehende schlechtere Tubenfunktion der Frau erklärt die damit verbundenen geringeren Schwangerschaftsraten.


Man kann heute annehmen, dass eine Chlamydia trachomatis-Infektion im männlichen Genitaltrakt zu Verklebungen der samenableitenden Wege führt und somit Ursache einer Verschluss-Azoospermie sein kann.
Bei mehr als der Hälfte der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch lassen sich, bei deutlichem Hinweis auf eine frühere Chlamydien-Infektion, pathologische Tubenveränderungen nachweisen.

Die Crux mit dem Chlamydien-Nachweis

Ein negatives Testresultat schliesst eine Chlamydien-Infektion nicht aus, denn; Falsch negative Untersuchungsergebnisse sind häufig; trotz spezifischer Transport-Medien.
Falsch negative Untersuchungsergebnisse sind häufig; trotz modernster Nachweis-Methoden.

Der Hausarzt, der Urologe sowie der Gynäkologe tragen in dieser Problematik eine grosse Verantwortung. Eine gründliche Abklärung einer ev. chronischen Infektion sowie deren adaequate Therapie sind für den Patienten von weittragender Wichtigkeit und unabsehbarem Nutzen.

Chlamydia trachomatis IgA-Antikörper

Als sinnvolle Ergänzung bestimmen wir bei jedem Spermiogramm neu auch die Chlamydia trachomatis-IgA-Antikörper im Samenplasma. Ein positives Ergebnis ist ein sicheres Indiz für eine aktive oder kürzlich durchgemachte Infektion mit Chlamydia trachomatis. (Dieser Test hat sich nach unserer Erfahrung als bisher zuverlässigster Parameter zum Nachweis von Chlamydien erwiesen). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die IgA-Antikörper auch nach erfolgreicher Therapie bis über ein Jahr lang positiv bleiben.

Nach erfolgreicher Therapie sinkt der Chlamydia trachomatis IgA-Antikörper, allerdings nur langsam innerhalb 1-2 Jahren, je nach Höhe des Ausgangswertes, mit einer HWZ von 6-8 Monaten. Kurz nach der Therapie ist ein vorübergehender Anstieg der Antikörper möglich. Eine Verlaufs-Kontrolle sollte deshalb nicht zu früh erfolgen. Nach 5-6 Monaten sollte jedoch eine eindeutige Tendenz zum Absinken feststellbar sein.

 

Therapie

Tetracyclin-Therapie mind. 14 Tage  bei positivem Testergebnis oder beim geringsten Verdacht einer möglichen Chlamydien-Infektion. (Alternativ Makrolide)

Tetracyclin ist das Mittel der Wahl für die Behandlung einer Chlamydia trachomatis-Infektion. Es wirkt gleichzeitig gegen Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium und Ureaplasma urealyticum. Es erfasst also mehrere Problem-Keime gleichzeitig.

 

Strategie

Im Rahmen der gynäkologischen und urologischen Untersuchung sollte immer an eine Infektion mit diesen Mikroorganismen gedacht werden, insbesondere bei jüngeren Patienten und bei Patienten mit erhöhtem Risiko. Infektionsgipfel im 15. bis 25. Lebensjahr. Personen mit asymptomatischen Infektionen stellen ein ständiges Erregerreservoir dar, deren Erkennung ist zur Senkung der Prävalenz der Erkrankung besonders wichtig.
            -Vermittlung von insgesamt mehr Informationen über Chlamydia trachomatis

            -Grösseres Bewusstsein einer möglichen Chlamydien-Infektion bei asymptomatischen Patientinnen         und Patienten bei den behandelnden Ärzten

-Frühe Identifikation von infizierten Patienten

            -Verwendung von optimalen diagnostischen Methoden

-Screenings von Hoch-Risiko-Populationen

-Spezifische Behandlung ohne Verzögerung und insbesondere unter Einbezug des / der -entsprechenden Partners / Partnerin.

Merke:

Asymptomatische  und symptom-arme C. trachomatis-Infektionen gehen unerkannt in chronische

Infektionen über.

C. trachomatis infizierte Zellen entziehen sich in der intrazellulären Phase der Immunabwehr.

C. trachomatis-Antikörper schützen nicht vor Erregerpersistenz und Reinfektion.


Quellen: PD. Dr. W. Eggert-Kruse, Universitäts-Frauenklinik 69115 Heidelberg 
Prof. Dr. med. Urs Studer, Urologische Universitätsklinik 3010 Bern